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Pensionskassen im "Gefangenendilemma"

Der Kassensturz griff heute Abend ein brisantes Thema auf. "Pensionskassen engagieren Broker um neue Versicherte zu gewinnen. Fürs Vermitteln kassieren die Broker saftige Provisionen. Jahr für Jahr." – Das stimmt, aber so einfach, wie es klingt, ist die Situation nicht. 

Manche Sammel- oder Gemeinschaftsstiftungen müssen wachsen, weil sie zu viele Rentner versichert haben, um einen ausgewogeneren Mix zwischen Rentenbezügern und Beitragszahlern zu erreichen. Eine  Sammel- oder Gemeinschaftsstiftung, die wachsen will, kann das auf verschiedene Arten versuchen. Sie kann sich selbst bei Arbeitgebern bewerben oder mit einem Broker zusammenarbeiten, der sie dem Arbeitgeber empfehlen kann. Wenn der Arbeitgeber den Broker bezahlt, werden keine Provisionen notwendig, und es kommt das inhaltlich beste Angebot zum Zuge. Dann ist alles in Ordnung.

Die meisten Arbeitgeber wollen aber nicht zahlen, weil sie wissen, dass Broker auch durch Sammel- oder Gemeinschaftsstiftung bezahlt werden können und es genügend Broker gibt, die dies anbieten. Sobald ein Arbeitgeber darauf drängt und sich eine einzige Sammel- oder Gemeinschaftsstiftung oder ein Broker findet, die oder der dabei mitmacht, entsteht ein Dominoeffekt. Andere müssen nachziehen. Am Schluss sind dann alle Sammel- oder Gemeinschaftsstiftungen gezwungen, bei diesem System mitzumachen, wenn sie im Wettbewerb überhaupt eine Chance haben wollen. Wer den Anfang gemacht hat, ob Arbeitgeber, Broker oder Pensionskassen, spielt keine Rolle mehr. 

Die Pensionskassen – aber genauso auch die Bropker und Arbeitgeber – sind dann Gefangene des Systems. Man sagt auch, sie befinden sich in einem Gefangenendilemma. Das ist heute die Realität. Daran ändert sich auch dann nichts, wenn einzelne Pensionskassen sich weigern, mitzumachen. Diese riskieren einfach, nicht zum Zuge zum kommen, solange die Arbeitgeber sich weigern, den Broker zu bezahlen, wie es eigentlich richtig wäre. Pensionskassen, die wachsen müssen, sind deshalb gezwungen, weiterhin Provisionen zahlen. Diesen Kreislauf gilt es nun zu unterbrechen. Es braucht Korrekturen.

In der Branche gibt es eine Konzentration. Es gibt immer weniger firmen- beziehungsweise betriebseigene Pensionskassen und immer mehr Sammel- und Gemeinschaftsstiftungen. Diese stehen im Wettbewerb, wenn sie – um eine Balance zwischen Beitragszahlern und Rentenbezügern anzustreben – wachsen müssen. Dieser Wettbewerb muss aber transparent, fair und im Interesse der Versicherten ablaufen. In einem ersten Schrittt wurden deshalb Transparenz und Offenlegungspflichten verschärft.

Aber es zeigt sich, dass das alleine nicht genügt. Die heute publizierte Studie zeigt das ebenfalls. Denn wirkliche Transparenz wäre erst dann gegeben, wenn der Arbeitgeber unabhängig vom Broker die verschiedenen Offerten beurteilen könnte. Das System ist aber so komplex, dass viele Arbeitgeber damit überfordert wären. 

Die fehlende Offenlegung und Entschädigungspraxis der Broker müssen korrigiert werden. Der Schweizerische Pensionskassenverband ASIP vertritt den Standpunkt, die Arbeitgeber sollten die Broker bezahlen, nicht die Pensionskassen. Unter Umständen müsste man die Zahlung von Provisionen sogar verbieten. Im Gespräch mit Ueli Schmetzer hat Direktor Hanspeter Konrad einen Runden Tisch angekündigt, um gemeinsam mit Arbeitgebern, Brokern und Pensionskassen eine Lösung des Problems zu finden.

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