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Teilzeitarbeit als Risiko für Altersarmut bei Frauen

Obwohl die meisten Frauen in der Schweiz erwerbstätig sind, ist die Altersarmut in der Schweiz zum grössten Teil weiblich. Carmen Schirm-Gasser hat für die NZZ am Sonntag zusammengetragen was mögliche Gründe dafür sind und was Frauen in der Schweiz wissen sollten, um das Risiko für Armut im Alter möglichst klein zu halten. 

NZZ am Sonntag; 20.05.2018; von Carmen Schirm-Gasser 
So wird Teilzeitarbeit nicht zur Falle
Für Frauen gibt es viele Gründe, Teilzeit zu arbeiten. Damit gehen sie jedoch ein Risiko ein, was ihre finanzielle Situation nach der Pensionierung betrifft. 
Frauen in der Schweiz sind Spitze in Sachen Erwerbstätigkeit. 72% von ihnen sind berufstätig. Sechs von zehn Frauen arbeiten allerdings nur Teilzeit, ein Drittel weniger als 50%. Für die Frauen gibt es gute Gründe dafür, doch leider auch Risiken, die häufig übersehen werden. «Der Versicherungsschutz bei kleinen Arbeitspensen ist schlecht», sagt Andrea Gisler, Anwältin und Präsidentin Frauenzentrale Zürich. 
Risiko Altersarmut
Veronica Weisser, Vorsorgeberaterin bei der UBS, doppelt nach: «Ein tiefes Pensum kann bei der Pensionierung zur Falle werden.» Im schlimmsten Fall führt Teilzeitarbeit zur Altersarmut, von der in erster Linie Frauen betroffen sind. «Die erste und die zweite Säule sollten 60 Prozent des letzten Lohnes ersetzen», sagt Veronica Weisser. «60 Prozent von einem hohen Lohn sind ausreichend, von einem tiefen Lohn jedoch meist nicht.» 
Bei der AHV ist es so, dass die meisten Frauen mit kleinem Pensum oft nur die Minimalrente von 1175 Fr. erreichen. Dabei sollte gerade die AHV dazu dienen, die Existenz zu sichern. Besser gestellt sind Verheiratete mit gutverdienenden Männern, die mehr als ein durchschnittliches Einkommen von derzeit 84 600 Fr. verdienen. Dann erhält das Ehepaar eine Vollrente, selbst wenn die Ehefrau nur Teilzeit oder gar nie erwerbstätig war. Besser gestellt sind auch Frauen mit Kindern. Dank der Erziehungsgutschriften können sie ihre Renten aufbessern, meist reicht dies jedoch nicht. Ein grosses Risiko besteht für Geschiedene, Alleinstehende im Tieflohnbereich und Frauen im Konkubinat, keine volle Rente zu beziehen. Geschiedene Frauen erhalten nach der Scheidung zwar oft Unterhaltsbeiträge, doch diese hören im Rentenalter meist auf. Arbeitet die Frau nach der Scheidung nur Teilzeit, erwirbt sie in der Regel zu wenig Ansprüche auf AHV-Leistungen. Ein ähnliches Risiko besteht für Konkubinatspartnerinnen.
Bei der 2. Säule zeigt sich die Situation noch dramatischer. Ein reduziertes Pensum schlägt sich in der 2. Säule direkt in den Leistungen nieder. Das hat damit zu tun, dass nur der Teil vom Lohn versichert ist, der 24675 Fr. pro Jahr übersteigt. Wer also 30000 Fr. brutto im Jahr verdient, zahlt in die Pensionskasse nur Beiträge auf der Basis von rund 5000 Fr. ein. «Das führt dazu, dass viele Teilzeitarbeitende eine schlechte oder keine 2. Säule haben und später Ergänzungsleistungen beziehen müssen», sagt Andrea Gisler. Glück hat, wer in einer Pensionskasse versichert ist, bei der die Hürde niedriger liegt. Es lohnt sich daher, die Pensionskassen zu fragen. 
Probleme bei zwei Stellen 
Bei zwei Teilzeitbeschäftigungen mit Bruttolöhnen von je unter 21150 Fr. pro Jahr ist man bei keinem Arbeitgeber versichert. Liegt der Lohn darüber, ist man bei zwei Pensionskassen versichert. Das ist ein Nachteil, weil beide Kassen nur den Teil über 24675 Fr. versichern. Wenn es die Pensionskasse erlaubt, sollte man darum das gesamte Einkommen bei einem der Arbeitgeber versichern.
«Um eine einigermassen gute Vorsorge zu sichern, sollten Frauen mindestens 70 Prozent arbeiten», empfiehlt Veronica Weisser. Wegen der hohen Kosten für die Kinderbetreuung und der Steuern scheint es zwar manchmal, als lohne es sich für Frauen mit Kindern nicht, zu arbeiten. «Man bezieht aber einen zweiten, unsichtbaren Lohn, der in die Pensionskasse fliesst.» Sie empfiehlt auch, in die private Vorsorge zu investieren. «Es mag schwierig sein, mit einem kleinen Lohn Geld zur Seite zu legen.» Trotzdem solle man versuchen, am besten schon in jungen Jahren, automatisiert zu sparen und mindestens 50 Franken jeden Monat in die 3. Säule einzuzahlen, steuerfrei. 
Andrea Gisler bestätigt diese Empfehlungen und hat eine weitere parat, bei der sie schmunzelt. «Frauen wollen heute modern und unabhängig sein. Doch es gibt Lebenssituationen, in denen es sich lohnen kann, zu heiraten. Mit der Heirat erhalten Frauen, die Kinder betreuen und nur wenig erwerbstätig sind, über den Ehemann eine gewisse Absicherung in der Altersvorsorge.» 
Um eine einigermassen gute Vorsorge zu sichern, sollten Frauen 70% arbeiten.

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