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Gute Pensionskassen-Performance 2017: Die Hintergründe

Die Pensionskassen haben 2017 eine gute Performance gezeigt. Sie stehen jedoch weiterhin vor Herausforderungen, nicht zuletzt durch die Folgen der Ablehnung der «Altersvorsorge 2020» im Herbst letzten Jahres. So erhalten die Versicherten wohl nur ein Drittel dieser Performance. Der untenstehende Artikel zeigt veständlich auf, weshalb dies so ist und wie Rendite und Umwandlungssatz zusammenspielen. Aus welchen Gründen der gesetzlich festgeschrieben Umwandlungssatz zu hoch ist und was die Folgen einer Nicht-Senkung sind haben wir hier festgehalten.

Pensionskassen sind dank Börse 50 Mrd. Fr. reicher

Finanz und Wirtschaft; 10.01.2018; Thomas Hengartner

SCHWEIZ Je nach Portfolio beträgt die Performance 2017 rund 6 bis 9%. Die Versicherten erhalten davon wohl nur ein Drittel.

Die Hochrechnung ist simpel: Die Pensionskassen investieren rund 800 Mrd. Fr. am Finanzmarkt, und die für die Vorsorgebranche relevanten Investmentindizes der Bank Pictet zeigen für 2017 eine Performance zwischen 6 und 9% an – bei 25% bzw. 40% Aktienanteil am Vermögen.

Ein Drittel vom Ergebnis geht 2017 für die Pflichtzinsen an die Versicherten – einerseits als Teilkomponente der Renten und andererseits als Zins auf dem Gesparten der Erwerbstätigen. Der BVG-Mindestzins steht auf 1%. Jede Kasse entscheidet selbst, ob und wie viel mehr Zins bezahlt werden kann. Seit 2010 hat der Anlageerfolg in zwei Jahren nicht für die Pflichtzinsen ausgereicht.

Teil des Gewinns bunkern

Was 2017 vom Investmentgewinn übrig bleibt, soll gemäss Jürg Schiller vom Berater VI Vorsorgeinvest für die Stärkung der Bilanz verbucht werden: «Dann muss in künftigen Jahren ein kleinerer Teil des gesamten Anlageergebnisses für die Restfinanzierung der Renten verwendet werden, und folglich würde der Erfolg gerechter auf die Generationen verteilt.»

Hanspeter Konrad, Direktor des Pensionskassenverbands ASIP, plädiert ebenfalls dafür, mit Überschüssen die Bilanz wetterfester zu machen: «Die Vorsorgeeinrichtungen sollten mehr Rückstellungen bilden, damit autonom der Umwandlungssatz gesenkt werden kann.»

Finanziell ausgebaute Pensionskassen dürfen Neurenten eigenständig zu einem Satz unterhalb der gesetzlich vorgeschriebenen 6,8% festlegen. Bei diesem Berechnungsschlüssel (je 100 000 Fr. Altersguthaben entstehen 6800 Fr. Jahresrente) ist mit aktueller Lebenserwartung der hiesigen Bevölkerung eine jährliche Zinskomponente von gegen 4% einzukalkulieren.

So viel an den Anlagemärkten zu erzielen – und zwar in jedem der mindestens zwanzig künftigen Jahre der Rentenverpflichtung – ist herausfordernd. VI Vorsorgeinvest schätzt das Renditepotenzial einer Pensionskasse für das laufende und die beiden nächsten Jahre auf 2,5%. Dies basiert auf Annahmen von 4 bis 6% Gesamtperformance auf Aktien, 3,5% auf vermieteten Immobilien und null Ertrag auf dem Bestand an Obligationen.

Gemäss Schiller sollten Kassen deshalb etwas mehr Aktien und zugleich weniger Obligationen halten, als die Vermögensaufteilung vorsieht, die jede Institution ausgehend von den Rentenpflichten und der Stärke der Bilanz eigenständig festgelegt hat. Die Gelder stecken gemäss letzter Erhebung von Credit Suisse im Schnitt zu 32% in Aktien, 31% in Anleihen, 23% in Immobilien und 6% in Alternativanlagen.

Von dieser Exponierung abrücken und Aktiengewinne realisieren würde Schiller erst, wenn sich eine Veränderung des Finanzmarktklimas abzeichnet: «Warnsignale wären eine wesentlich anziehende Inflation, stark zunehmende Preisschwankungen oder eine deutliche Verlangsamung der globalen Konjunktur.»

Zu illiquiden Anlagen uneins

Erst dann sei ratsam, von der verbreiteten indexierten Aktienanlage zu aktiven Mandaten umzustellen. «Aktive Aktienselektion schneidet historisch betrachtet bei fallenden oder stagnierenden Börsen besser ab als passives Indexieren», sagt Schiller. Gegenwärtig noch Gelder zu illiquiden Anlagesegmenten zu verschieben, hält der Vorsorgeberater nicht für opportun. Sich für einen nur geringen Zuschlag lange in Alternativinvestments zu binden, begrenze zu sehr den Handlungsspielraum.

Den konträren Ansatz vertritt der auf alternative Anlagesegmente spezialisierte Pensionskassenberater Siglo. Empfohlen werden Anlageelemente ohne Börsenhandel, wie Insurance Linked Securities (Versicherungsverbriefungen, Cat Bonds) sowie Private Equity oder Private Debt. «Diese Anlagen sind auch 2018 attraktiv», sagt Siglo-Exponent Christoph Gort. Damit liessen sich effektiv unabhängige Renditequellen erschliessen.

Voraussetzung sei jedoch, sich mit den Chancen und Risiken intensiv auseinanderzusetzen. Wegen des Aufwands für Schulung, Auswahl von Investmentanbietern und das stete Monitoring sei es ineffizient, nur ein paar wenige Prozentpunkte des Vermögens in ein diversifiziertes Alternativportfolio zu stecken. «Für Pensionskassen ist je nach Risikofähigkeit eine entsprechende Vermögensquote zwischen 10 und 25% angebracht», rät Gort.

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